ende

Das Geheimnis der Luftfrachtorganisation

Das Geheimnis der Luftfrachtorganisation

Wer bereits mit den verschiedenen Arten der Versandmöglichkeiten in der global aufgestellten Logistik zu tun hatte, wird sich an einige Details der Luftfrachtsendungen erinnern. Manchmal im Guten und manchmal doch eher mit gemischten Gefühlen.

Dabei spreche ich nun aus der Sicht eines Logistik Managers in einem Produktionsbetrieb. Gerade in der Automobillogistik stehen Termine zum SOP (Start of production) oder die jeweiligen Pre-Series an und werden nicht verändert. Jedenfalls nicht zum Vorteil der Zulieferer!

Nun rechnen wir einmal mit dem Fall, dass Sie Material etwas schneller als üblich auf einen anderen Kontinent benötigen. Bitte denken Sie daran, dass wir hier keine Pakete oder Briefumschläge versenden. Diese können Sie mit einer Person schicken. Im Bereich „Koffergröße“ bis ca. 30 Kg und unter tausend Euro können Sie das als Gepäck aufgeben und durchführen. Dann hätten Sie eine enorme Zeitersparnis, müssen aber bitte durch den roten Ausgang am Flughafen gehen!

Bitte denken Sie bei Luftfrachten immer an den Warenwert. Dieser ist, zusammen mit den Grundmaßen und Gewichten, das Wichtigste an einer Sendung. Liegt der Wert unter 1.000 € muss die Sendung nicht extra verzollt werden. Trotzdem benötigen Sie die Rechnung des Warenwerts.

Ansonsten müssen Sie die üblichen Papiere ausstellen, bzw. ausstellen lassen, was ich bevorzuge. Zollanmeldungen können heute auch gut online durchgeführt werden. Ursprungszeugnis, Lieferpapiere etc. können Ihre Mitarbeiter im Versand alleine erstellen. Die Ausfuhrerklärung können Sie ebenfalls gegen eine geringe Gebühr erstellen lassen.

Doch das Wichtigste ist: Ein Flugzeug ist immer die letzte Möglichkeit! Hier gibt es einfach zu viele Beschränkungen. Bei größeren Materialien, Sperrgütern oder zu schwere Maschinenteile. Dafür sollten Sie wissen, dass auch die Flugzeugtür eine physikalische Grenze hat! Diese ist nicht sehr groß, lassen Sie sich nicht täuschen.

Berechnen Sie auch bei Luftfrachten genug Zeit. Die Verpackung in Luftfrachtgerechten Kisten benötigt ebenso Zeit, wie die Zollbearbeitung. Wenn Sie nicht direkt zum Zoll in Ihrem Ort fahren können, müssen Sie die Ware 24 Stunden lang bereitsehen lassen. Danach folgt die Abholung zum Flughafen, die Verladung und der Flug an sich. Im Ankunftsland muss dann wieder entladen werden, die Importverzollung durchgeführt werden und auf der Straße zum Empfangsort transportiert werden.

Falls der Zusteller Ort zu weit vom HUB liegt, könnte auch noch ein zusätzlicher Flug dazwischenkommen. Dies sind allerdings noch kleinere Flugzeuge! Rechnen Sie für alles inkl. bei Frachten mit ungefähr 6 Tagen, je nach Bestimmungsort. Nehmen Sie Ihren Vorgesetzten die Illusion, dass die Ware aus einem kleinen Ort in Thüringen, morgen in den USA ankommt, da das Flugzeug ja nicht so lange fliegt.

Auch die Richtung ist wichtig. Fliegen Sie in den Westen, z.B. USA oder Südamerika, gewinnen Sie Zeit. Fliegen Sie in Richtung Osten, verlieren Sie Zeit. Dies sollten Sie berechnen.

Bei den Kosten sind ebenfalls einige Punkte zu beachten. Nicht das tatsächliche Gewicht zählt, sondern das höhere Gewicht. Haben Sie z.B. eine Kiste mit den Maßen 1200 x 800 x 1300 und einem tatsächlichen Gewicht von nur 50 Kg, belegen Sie trotzdem das Volumen im Flugzeug. Nach einer gewissen Formel wird das Volumengewicht errechnet und kann relativ hoch liegen. Also achten Sie auf die Preisgestaltung, denn auch der Treibstoffzuschlag kommt mit derzeit 9% bei Exportgeschäften noch dazu.

 

Veröffentlicht am 20. Februar 2019

Zurück zur Übersicht